Das Scheitern des Rettungspakets für die amerikanischen Autobauer vor dem Senat, drückte die Kurse zunächst in den Keller. Wobei die Frage bleibt, inwieweit es wirklich helfen kann. Den 14 Mrd. Dollar stehen Branchenkennern zufolge ca. 50 Mrd. Dollar an Verbindlichkeiten gegenüber Automobilzulieferern gegenüber. Dennoch führte die Meldung, dass der scheidende Präsident George W. Bush sich um eine Hilfe kümmern möchte, zu Kursgewinnen in den USA. Der Dow legte um 0,75 % auf 8.630 Punkte, der Nasdaq um +2,21 % auf 1.207 Punkte und der S&P 500 um +0,70 % auf 879,75 Punkte zu. In Frankfurt drückte die Aussicht auf eine Verschlechterung in der eh schon strauchelnden Automobilbranche die Kurse ins Minus. Der Dax verlor -2,18 % (4.663), der Tec Dax -1,60 % (454,83) und der C Dax -1,99 % (396,13). Die Hoffnung, dass doch die US-Regierung doch noch eine Rettung für die Autoproduzenten hinbekommt, führte mit +5,29 % (8.672) zu einem gewaltigen Kursanstieg des Nikkei in Japan.
Peking geht geschickter vor Das Tauziehen in Washington zeigt, dass in der Krise alles nach dem Staat ruft – die Parallelen zum New Deal in den Dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts hatten wir ja schon besprochen. In China greift die Regierung ebenfalls beherzt ein, um die Wirtschaft anzukurbeln. Peking wird nicht zulassen, dass soziale Unruhen ausbrechen, weil die globale Rezession das Land trifft. Derzeit hat eindeutig die Stunde des Staates geschlagen.
Leser, die schon länger dabei sind, wissen, dass ich mich stets von den meisten chinesischen Staatskonzernen ferngehalten habe – zu träge, zu bürokratisch, zu korrupt. Nur wenn sie technologisch auf dem neuesten Stand sind, eine marktbeherrschende Stellung haben und über ein gutes Management verfügen, sind sie für uns hier bei China Strategy interessant. In Zeiten der Krise hat sich diese Strategie ausgezahlt: Staatliche Firmen sind zusehends interessant geworden, weil sie direkt auf Geldquellen der Regierung zugreifen können. Dies hat sich vor einigen Tagen einmal mehr bewahrheitet.
Unterstützung vom Staat erhalten. Die Regierung ist als Bürge aufgetreten und hat ein riesiges Paket Aktien der Muttergesellschaft aufgekauft. Sie erinnern sich, dass ich bei meiner Empfehlung die Belastung durch die bis Jahresmitte hohen Kerosinkosten angesprochen hatte. Die Kapitalspritze hilft dem Unternehmen jetzt schnell und effizient – keine langen Diskussionen, keine negativen Überraschungen wie im amerikanischen Senat. Die Börse applaudierte – und unsere Aktie schoss in Hong Kong um mehr als 40% nach oben. Ich denke, da ist noch mehr drin, denn die Fluglinie kann sich nun neu ausrichten.
Auch unsere anderen Staatskonzerne – etwa der jüngst wieder empfohlene Rohstoff-Gigant – haben sich zuletzt wacker an der Börse geschlagen. Ich hoffe doch sehr, dass der Westen in punkto Effizienz bei Staatsprogrammen von China lernen wird. Und ich glaube es auch fest - denn der künftige US-Finanzminister Tim Geithner hat sich eingehend mit der chinesischen Sprache und Kultur befasst.
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